Familie + Kind

Scheidung mit Kindern: Das sollten Sie wissen!

Familie + Kind | AutorIn: Laura Gosemann

Oftmals schrecken Ehepaare vor einer Scheidung zurück, wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, um diese nicht zu belasten. Dabei wird jedoch außen vor gelassen, dass eine sehr konfliktreiche Ehe einen größeren Schaden für das Kind bedeuten kann als die Beendigung dieser. Werden im Zuge einer Trennung einige Aspekte im Umgang mit dem Nachwuchs beherzigt, kann dieser auch entsprechend gut mit der Trennung der Eltern umgehen. Der folgende Artikel gibt Ratschläge dazu. 

Wenngleich eine Scheidung stets Trauer, Unverständnis und in manchen Fällen sogar Wut mit sich bringt, sollte das Wohl der Kinder an erster Stelle stehen. Denn wie diese die Trennung der Eltern verkraften, hängt in erster Linie vom Verhalten der Eltern ab. In zerstrittenen Familien, die immer wieder vor Gericht ziehen, leiden die Kinder körperlich wie auch seelisch – Beispiele dafür sind depressive Neigungen und diffuse körperliche Beschwerden. Auch beim Sozialverhalten machen sich familiäre Spannungen durch eine erhöhte Aggressivität und gegebenenfalls durch die geminderte Unterstützung von Gleichaltrigen bemerkbar.

Insgesamt haben Scheidungskinder laut diverser Erhebungen aber keine dramatischen Nachteile. So hat die PISA-Studie bei den schulischen Kompetenzen der 15-Jährigen beispielsweise keine nennenswerten Unterschiede zwischen Kindern aus Familien mit einem Elternteil und denen mit zwei Eltern gezeigt. Der schulische Werdegang von Scheidungskindern war lediglich insofern anders, als diese in Deutschland seltener ein Gymnasium besuchten. Dies ist vor allem der Fall, wenn sich die Eltern trennen, sobald es um den Übertritt auf die weiterführende Schule geht – eine für Kinder kritische Phase. Aber auch später kann es rund um die Scheidung wiederholt zu Leistungseinbrüchen kommen.

Bezüglich der Befindlichkeit, den sozialen Kompetenzen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen hat das Kinderpanel des Deutschen Jugendinstituts (DJI) jedoch nur wenige Unterschiede gefunden. Oftmals sind Scheidungskinder sogar reifer als andere.

Das Verhalten der Eltern ist ausschlaggebend

Das bedeutet, dass während der Trennung sowohl dem Kind als auch dem Partner gegenüber jedes Wort mit Bedacht gewählt sowie lautstarke Dispute und Aggressivität vermieden werden sollten. Zudem benötigt das Kind weiterhin viel Nähe und Zeit vonseiten der Eltern.

Unbedingt ratsam ist, den Nachwuchs aus den Streitigkeiten herauszuhalten. Hierbei ist vor allem das ständige Beschweren über den Partner und das Schlechtmachen vor dem Kind gemeint, denn dabei gerät es in einen schweren Loyalitätskonflikt.

Vor allem aber wollen Mädchen und Jungen die Entscheidung ihrer Eltern verstehen. So können sich Scheidungskinder, deren Eltern eine konfliktträchtige Ehe geführt haben, langfristig besser mit der Scheidung arrangieren als Kinder, die zuvor keinerlei Anzeichen dafür wahrgenommen haben. Dennoch müssen nicht die expliziten Gründe detailliert erläutert werden. Sobald eindeutig feststeht, dass der Weg der Scheidung unumgänglich ist, sollte das Kind informiert werden. Dabei ist jedoch der Fokus bevorzugt auf die Vermittlung eines weiterhin bestehenden Sicherheitsgefühls sowie Stabilität zu legen.

Des Weiteren wollen Kinder in erste Linie über die Zukunft Bescheid wissen – etwa wo sie leben werden, wer auszieht und wann sie denjenigen wiedersehen. Darüber sollten sich die Eltern im besten Fall vorher einig sein. Klare Regeln und Absprachen, die beide Partner einhalten, sind daher besonders wichtig, um dieses Gefühl zu vermitteln.

Auch nach der Trennung sind ein respektvoller Umgang sowie das konstruktive Lösen von Konflikten wichtig, damit die Kinder daraus lernen und mitunter sogar davon profitieren können.


Weitere Informationen findest du hier:

www.scheidung.org/kinder/

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