Bildung

Hochbegabung erkennen

Bildung | AutorIn: Dr. Miriam Bachmann

Hochbegabte Kinder sind nicht immer die wissensdurstigen Klassenbesten, die bereits vor der Einschulung lesen und schreiben können.

Hochbegabung erkennen

Die tatsächliche Leistungsfähigkeit wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben den Begabungsfaktoren (intellektuelle Fähigkeiten, Kreativität) sind Umweltmerkmale (Familien- und Klassenklima, wichtige Lebensereignisse) und Persönlichkeitsmerkmale (Motivation, Lernstrategien) von großer Bedeutung. Die gezeigte Leistungsbereitschaft hängt auch sehr von der psychischen Befindlichkeit ab.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 1,5 Millionen überdurchschnittlich intelligente und rund 300.000 hochbegabte Kinder. Durchschnittlich intelligente Menschen haben einen Intelligenzquotienten (= IQ) zwischen 85 und 114, überdurchschnittliche intellektuelle Begabungen liegen zwischen 115 und 129. Bei einem IQ ab 130 spricht man von Hochbegabung.  

Rund 15 Prozent der Hochbegabten sind so genannte „underachiever“: Kinder, die deutlich schlechtere Schulleistungen zeigen als die Mitschüler. Unterforderte Kinder können neben schlechten Schulleistungen auch mit einer Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten und kinder- und jugendpsychiatrischen Beschwerden reagieren. Klassenclown, Störenfried, Außenseiter - mit diesen Bezeichnungen sehen sich hochbegabte Kinder häufig konfrontiert.  

Verhaltensauffälligkeiten aufgrund von Unterforderung bei besonders begabten Kindern ähneln oft den Symptomen einer Aufmerksamkeitsstörung (ADHS). Dies sind unter anderem:

  • Konzentrationsstörungen
  • Erhöhte Ablenkbarkeit
  • Störverhalten im Kindergarten und in der Schule
  • Motorische Unruhe
  • Soziale Schwierigkeiten

Eine möglichst frühzeitige Diagnostik - auch bereits im Kindergartenalter - und spezifische Förderung ist sinnvoll, um Spätfolgen der Unterforderung zu vermeiden. Hochbegabte Kinder profitieren sehr von dem Kontakt mit „Gleichgesinnten“, was auch mit spezifischer Förderung gewährleistet werden kann. Vor allem der kreative Bereich eignet sich hier besonders, um der oftmals vorhandenen „Kopflastigkeit“ zu entfliehen. Förderung sollte inner- und außerhalb der Schule stattfinden. Dabei ist ein enger Austausch zwischen Schule und Elternhaus wünschenswert.

Förderung hochbegabter Kinder heißt jedoch nicht nur, die bereits herausragenden Leistungen zu optimieren. Besonders gründlich sollten auch Schwächen berücksichtigt werden, um ein Ungleichgewicht in der emotionalen, sozialen, motorischen und kognitiven Entwicklung zu beheben. Auch deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik von großer Bedeutung, denn: Hochbegabung ist ein Geschenk, eine Ressource für das Individuum und die Gesellschaft.

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