Einen Kinderbuchverlag gründen? In Zeiten, in denen die beliebtesten Medien der Kids TV und PC heißen? "Gerade jetzt!", sagt sich Dr. Carlos Schumacher, Geschäftsführer des neuen Hamburger KinderbuchVerlages. „Unser Ziel ist es, dass Kinder das Medium Buch wieder entdecken oder noch stärker nutzen.“ Er wolle nicht den Massenmarkt bedienen, sondern besondere Bücher verlegen. Mit liebevoll gezeichneten Bildern und Geschichten, die Kinder gern lesen (und Erwachsene gern vorlesen), will sich der Verlag profilieren. „Schließlich bleibt das Buch – allen Unkenrufen zum Trotz – ein Schatz“, ist Schumacher überzeugt. „Das Notebook nimmt man nicht mit ins Bett, Bücher schon.“
Bereits als Mediziner hat Dr. Carlos Schumacher Kinder mit erzählten Geschichten unterhalten und viel Wert darauf gelegt, ihnen den Schrecken einer Krankheit zu nehmen. „Wenn man Kindern Krankheiten verständlich erklärt, verlieren sie ihre Ängste“, erklärt der Verleger, selbst Vater einer sechsjährigen Tochter. Ein erzählendes Sachbuch, das sich mit chronischen Krankheiten wie Neurodermitis oder Asthma aus Kindersicht auseinandersetzt, war die logische Konsequenz dieser Erfahrung.
Für seine Idee, ein kindgerechtes Sachbuch mit vielen Informationen herauszubringen, konnte er schnell Kollegen begeistern: Fünf Fachärzte schreiben jetzt an der „Tropfenbande“, einer Geschichte über fünf Kinder, die sich aus dem Krankenhaus schleichen und trotz ihrer Krankheiten gemeinsam ein Abenteuer erleben. „Wir wollten dieses Projekt gern selbst verwirklichen und sahen zugleich auch keinen Verlag, der zu dem Konzept des Buches genau gepasst hätte – also haben wir selbst einen Verlag gegründet“, sagt Schumacher.
Nicht der Traum vom schnellen Erfolg, sondern Idealismus ist seine Triebfeder. „Ich bin von vielen Seiten vor den finanziellen Risiken gewarnt worden“, erzählt der 43jährige. „Die kulturellen Chancen und die Möglichkeiten, Kinder zu fördern, wurden dabei oft genug vergessen.“ Diese Aspekte jedoch waren für Schumacher der Grund, mit leichtem Trotz und viel Selbstbewusstsein zu sagen: „Mach ich aber!“ Kein Wunder, dass so auch die geplante Serie interaktiver Bücher heißen wird: In den Klappbüchern „Mach ich aber“ haben Geschichten einen unterschiedlichen Ausgang – je nachdem, welche Entscheidung die kleinen Leseratten treffen. Mit „Alexandra, wohin fährst Du?“ wird der erste Band der Reihe im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.